Die Digitalisierung als Jobmaschine in der Logistik

Wer in der Transport- und Logistikbranche arbeitet, hat manchmal das Gefühl, er arbeite auf der Titanic. Schließlich hören wir seit Jahren, dass Software und Roboter immer mehr Tätigkeiten übernehmen und dass alle nicht voll digitalisierten Speditionen oder Frachtführer untergehen. Für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer stellt sich die Frage, für welche Logistikberufe es überhaupt eine Zukunft geben wird?

Die pessimistische Antwort auf diese Frage lautet: Die Automatisierung wird den Menschen ersetzen. Befindet man sich auf einem sinkenden Schiff, wenn man sich für einen Logistik-Beruf entscheidet? Nein, aber die Job-Profile werden sich ändern.

Optimisten halten dagegen: Die neuen Techniken kommen gar nicht ohne den Menschen aus und werden daher keine übergeordnete Rolle spielen. Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte: Die Arbeit wird sich wandeln. Arbeitsschritte, die heute selbstverständlich sind, müssen in Zukunft nicht mehr gemacht werden, dafür kommen neue Aufgaben dazu. Es werden sicher auch neue Berufe entstehen. Aber in welche Richtung werden sich Tätigkeiten verändern und welche neuen Jobprofile kommen dazu?

Die Logistik-Berufe werden in Zukunft anspruchsvoller

Mit einem Umsatz von rund 240 Milliarden Euro ist die Logistik nach Automobilwirtschaft und Handel der drittgrößte Wirtschaftssektor in Deutschland. Die Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V. schätzt das Volumen des gesamteuropäischen Logistikmarktes auf 960 Milliarden Euro. In Deutschland gibt es und drei Millionen Beschäftigte, die in circa 60.000, hauptsächlich mittelständischen, Unternehmen beschäftigt sind. Dass diese Zahl im Zuge der Digitalisierung noch steigen wird, davon sind immerhin 43 Prozent der Unternehmen überzeugt. Nur 37 Prozent erwarten einen Rückgang. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Digitalverbandes Bitkom („Digitalisierung sorgt für mehr Jobs in der Logistik“). 58 Prozent sind sich sogar sicher, dass die Zahl der Ausbildungsplätze für Logistik-Fachkräfte zunehmen wird. Drei Viertel sind davon überzeugt, dass die Logistik insgesamt ein attraktiver Arbeitgeber bleibt.

Die Digitalisierung verändert unseren Begriff von Arbeit

Das „zweite Maschinenzeitalter“, dessen Anfangsphase wir derzeit erleben, erfasst alle Lebensbereiche. Die digitale Revolution ermöglicht es, Steuerungsaufgaben, die bislang klassisch von Menschen geleistet wurden, an Maschinen zu übergeben. Daher sind von der Digitalisierung nicht nur Berufe in Fertigung, Lager und Transport betroffen, sondern auch Bürojobs. Dort sitzen die Arbeitnehmer zwar längst vor Computern. Der Umgang mit dem Computer allein ist jedoch keine Arbeitsplatz-Garantie. Die Delphi-Studie des Millennium Projects geht davon aus, dass alles, was automatisiert werden kann, auch automatisiert werden wird. Die Studie kommt u.a. deshalb zu dem Schluss, dass die Digitalisierung weltweit ein Viertel aller bisherigen Arbeitsplätze kosten könnte.

Das wird nicht von heute auf morgen geschehen, sondern in einem Transformationsprozess, der die kommenden zehn bis zwanzig Jahre in Anspruch nimmt. Die Studie relativiert allerdings das Schreckgespenst der Massenarbeitslosigkeit, da sie davon ausgeht, dass in der neuen digitalen Gesellschaft der Begriff „Arbeit“ eine neue Bedeutung entwickeln wird – und damit auch der Begriff der Arbeitslosigkeit. Der klassische 9-to-5-Job wird seltener. Auch die heute übliche Erwerbsbiografie mit einer Ausbildung, evtl. Studium und ein, zwei oder drei Arbeitgebern bis zur Rente ist demnach ein Auslaufmodell.

Stattdessen werden Wissensnomaden und Algorithmen-Versteher ihre Dienste häufiger als heute freiberuflich anbieten. Auch das Büro verliert an Bedeutung. Es wird ersetzt durch multilokales Arbeiten: mal von Zuhause, mal im mobilen Büro, im Coworking Space oder auch ganz in virtuellen Räumen und mit Menschen, denen man nie persönlich begegnet.

Arbeitnehmer werden sich in dieser Neo-Arbeitswelt an unterschiedliche Situationen anpassen müssen. Strukturen, die heute von Arbeitgebern vorgegeben sind, werden Arbeitnehmer künftig selbst schaffen müssen. Mit anderen Worten: Die Digitalisierung wird vermutlich nicht mehr so viele Arbeitsstellen schaffen wie heute – an Arbeit wird es dennoch nicht fehlen.

Mögliche Logistik-Berufe der Zukunft

Wer in der Herrschaft der Algorithmen Oberwasser behalten will, muss nicht zwingend selbst programmieren können – zumal die Künstliche Intelligenz (KI) heute schon belegt, dass die Programme in der Lage sind, sich auch selbst zu programmieren (wie etwa Teile des Suchalgorithmus von Google). Als Basis-Kompetenz wird von Arbeitnehmern jedoch verlangt werden, dass sie die Algorithmen verstehen und mit ihnen souverän umzugehen wissen. Je weiter die KI Fortschritte verzeichnet, desto mehr wird der menschliche Beitrag zur Arbeit in kreativen Lösungen bestehen, um Probleme möglichst gar nicht aufkommen zu lassen oder um Nischen zu besetzen, die durch Maschinen, Roboter und Software nicht abgedeckt werden. Mögliche Logistik-Berufe der Zukunft könnten sein:

Roboterkoordinator

Lageristen – und alle die an der Rampe arbeiten – müssen schon heute oft den Umgang mit Datenbrillen oder intelligenten Handschuhen beherrschen. Und in knapp einem Fünftel der Lager sind bereits fahrerlose Staplersysteme und Smart Container im Einsatz. Gefragt sind mittlerweile auch Lagerroboter sowie intelligente Regale und Paletten. Die Entwicklung dieser Techniken steht noch am Anfang. Absehbar ist, dass die Systeme immer weiter miteinander verzahnt werden und somit deren Komplexität steigt. Das wird Koordinatoren erfordern, die den Einsatz der Maschinen planen und überwachen.

Data Scientist

Ein Berufsbild, das bereits Realität geworden ist, vor einigen Jahren aber noch völlig unbekannt war: Der Data Scientist. Das Internet der Dinge bringt Datenmengen hervor, von deren Analyse viele in der Logistik profitieren. Datenwissenschaftler analysieren Abläufe und bieten neue, optimierte Lösungen für Logistikaufgaben an.

LKW-Führer

Im selbstfahrenden LKW wird der LKW-Fahrer zum LKW-Führer. Dank seiner ausgezeichneten Logistik-Kenntnisse ist er vor allem mit der Koordination und Überwachung von Transporten beschäftigt. Vor Ort ist er aber auch ein geschickter Verhandler und Problemlöser.

Transport Supervisor

Der Disponent von heute wird sich in der Zukunft sicher weniger damit beschäftigen, Aufträge zu akquirieren, Touren einzuteilen und Routen zu planen. Dies werden Frachtplattformen wie Saloodo! mithilfe von Künstlicher Intelligenz und Algorithmen in Echtzeit effizienter und effektiver erledigen. Der Job des Disponenten wird aber nicht überflüssig werden – er wird sich verändern. Disponenten werden in Zukunft die Rolle von Supervisoren einnehmen, die die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen im Blick behalten. Der Disponent der Zukunft hat dann vielleicht eine höhere Verantwortung und prüft für alle Fahrzeuge, ob sie bestimmte wirtschaftliche Kriterien wie Auslastung, Stoppdichte oder Kilometergesamtleistung erfüllen. Die Kennzahlen, mit denen der Disponent der Zukunft täglich arbeiten wird, werden sich verändern.

Ob diese Berufe tatsächlich die Zukunft der Logistik bestimmen, kann niemand mit Gewissheit sagen. Sicher ist aktuell nur, dass die Digitalisierung bereit heute unsere Arbeitswelt verändert – nicht nur in der Logistik, sondern in allen Bereichen. Ausgehen wird uns die Arbeit aber durch Roboter und Software gewiss nicht.

Sie wollen mehr dazu wissen? Den Einfluss der Digitalisierung auf bestehende Jobs in der Logistik haben wir in einem anderen Blogbeitrag unter die Lupe genommen.

Daniel Mahnken

Daniel Mahnken ist Senior Corporate Communications Manager bei Saloodo!. Als gelernter Journalist liegt ihm das Schreiben quasi im Blut. Nach seinem Sportpublizistik-Studium wollte er eigentlich Germany's Next Sport-Kommentator werden, doch dann entdeckte er die Logistik und kommt seitdem nicht mehr davon los.

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