{"id":197740,"date":"2023-08-10T12:47:34","date_gmt":"2023-08-10T10:47:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.saloodo.com\/?p=197740"},"modified":"2023-10-24T14:05:16","modified_gmt":"2023-10-24T12:05:16","slug":"mitarbeitersensibilisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.saloodo.com\/de\/blog\/mitarbeitersensibilisierung\/","title":{"rendered":"Mitarbeitersensibilisierung und Schulungsm\u00f6glichkeiten im Bereich Logistik"},"content":{"rendered":"<p>Ganze 83.098 meldepflichtige Unf\u00e4lle entfielen 2021 <a href=\"https:\/\/publikationen.dguv.de\/widgets\/pdf\/download\/article\/4590#page=10\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nur auf den Themenkomplex F\u00f6rder-, Transport- und Lagereinrichtungen<\/a>. Weitere 21.425 Unf\u00e4lle waren im Zusammenhang mit PKW und LKW zu beklagen. Zusammen waren das 14,3 Prozent aller Arbeitsunf\u00e4lle \u2013 und es kamen 74 Menschen zu Tode.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Nicht alles hiervon geh\u00f6rte explizit zur Logistik. Durch ihre Natur d\u00fcrfte sie hieran jedoch einen erheblichen Anteil gehabt haben \u2013 etwa bei den 16.429 Unf\u00e4llen, die allein im Zusammenhang mit Lagerzubeh\u00f6r auftraten.<\/p>\n<p>Viele dieser Unf\u00e4lle waren zweifelsohne vermeidbar. Entweder, wenn die entsprechenden Vorgaben beachtet oder die Mitarbeiter besser geschult gewesen w\u00e4ren. Insbesondere mit Hinblick auf die Wirkung eines jeden Unfalls auf das Firmenimage und die Fachkr\u00e4ftegewinnung, sollte sich daher jeder Logistiker dar\u00fcber im Klaren sein, wie wichtig es ist, ein insgesamt sicheres Arbeitsumfeld zu haben. Die daf\u00fcr wichtigsten Positionen zeigen wir jetzt. Frei nach dem ber\u00fchmten Industriellen Werner von Siemens:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><i>\u201eDie Verh\u00fctung von Unf\u00e4llen ist nicht eine Frage gesetzlicher Vorschriften, sondern unternehmerischer Verantwortung und zudem ein Gebot wirtschaftlicher Vernunft.\u201c<\/i><\/strong><\/p>\n<h2><b>#1 Buchstabengetreues Befolgen der Gesetze und Vorgaben<\/b><\/h2>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-197742\" src=\"https:\/\/www.saloodo.com\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Bild-2.jpeg\" alt=\" width=\"498\" height=\"332\" srcset=\"https:\/\/www.saloodo.com\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Bild-2.jpeg 640w, https:\/\/www.saloodo.com\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Bild-2-300x200.jpeg 300w\" sizes=\"(max-width: 498px) 100vw, 498px\" \/><\/p>\n<p>Seitdem das <i>Preu\u00dfische Regulativ<\/i> anno 1839 erlassen wurde und erstmalig Kinderarbeit einschr\u00e4nkte, hat der Arbeitsschutz eine sehr lange Entwicklung durchlaufen. Eine Entwicklung, bei der oft genug erst Unf\u00e4lle geschehen mussten, um Nachbesserungsbedarf zu erkennen.<\/p>\n<p>Was deshalb heute an Vorgaben gilt, darf getrost als die zusammengefassten Erfahrungen von fast 200 Jahren Industriegeschichte betrachtet werden. Es sind daher keine Regularien, die von praxisfernen Theoretikern aufgestellt wurden, sondern allesamt Dinge, die direkt auf praktischen und vielfach leidvollen Erfahrungen fu\u00dfen. Nehmen wir <a href=\"https:\/\/www.brewes.de\/magazin\/mehr-sicherheit-durch-umfassende-maschinenkennzeichnung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Vorgaben zur Kennzeichnung von Maschinen<\/a>. Die dahinterstehenden Normen sowie zu verwendenden Farben, Grafikelemente, Beschriftungen und nicht zuletzt Anbringungsorte sind allesamt direkt von Arbeitsunf\u00e4llen beeinflusst und von wissenschaftlichen Analysen, wie diese k\u00fcnftig zu verhindern seien.<\/p>\n<p>Was von all diesen Regularien im Logistikbereich gilt, ist so umfangreich, dass es den Rahmen dieses Artikels bei Weitem sprengen w\u00fcrde. Deshalb an dieser Stelle nur die wichtigsten Vorgaben:<\/p>\n<ul>\n<li>Das <a href=\"https:\/\/www.dguv.de\/de\/praevention\/vorschriften_regeln\/index.jsp\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">grunds\u00e4tzliche Vorschriften- und Regelwerk<\/a> der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).<\/li>\n<li>Die <a href=\"https:\/\/www.dguv.de\/fbhl\/index.jsp\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vorgaben aus dem Fachbereich Handel und Logistik<\/a> der DGUV.<\/li>\n<li>Die <a href=\"https:\/\/www.bghw.de\/was-sie-im-arbeitsschutz-beachten-muessen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Technischen Regeln f\u00fcr Arbeitsst\u00e4tten (ASR) und \u00e4hnliche Regularien<\/a> aus der Hand der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW).<\/li>\n<li>Die Paragraphen 30 und 31 der Stra\u00dfenverkehrszulassungsordnung (StVZO), die Paragraphen 22 und 23 der Stra\u00dfenverkehrsordnung (StVO), ferner Paragraph 412 des Handelsgesetzbuchs (HGB).<\/li>\n<li>Die Richtlinie VDI 2700 des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI).<\/li>\n<\/ul>\n<p>All diese Werke gehen letzten Endes auf entsprechende Bundesgesetze zur\u00fcck. Sie sind entweder deren normierte, detailgetreue Umsetzung oder Werke, die bei einer solchen Umsetzung behilflich sind. Sie buchstabengetreu zu erf\u00fcllen, ist eine Bringschuld eines jeden Unternehmens \u2013 sich selbst und seinen Mitarbeitern gegen\u00fcber. Nicht, weil es bei Nichterf\u00fcllung nach Unf\u00e4llen zu Strafen kommen k\u00f6nnte.<\/p>\n<h2><b>#2 <i>Fach- <\/i>und <i>sachgerechtes <\/i>Schulen der Mitarbeiter<\/b><\/h2>\n<p>Basierend auf den verschiedenen Vorgaben gilt in ausnahmslos jedem Logistikbetrieb und jedem darin ausge\u00fcbten Beruf eine eherne Gesetzesregel:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<ul>\n<li>Jeder Mitarbeiter, der neu in die Firma kommt, muss im Rahmen einer Erstunterweisung mit Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz unter den betrieblichen Voraussetzungen bekanntgemacht werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/li>\n<li>Jeder Mitarbeiter muss ferner mindestens einmal j\u00e4hrlich basierend auf dem Arbeitsschutzgesetz erneut unterwiesen werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/li>\n<li>Ferner ist eine solche Unterweisung immer dann vorgeschrieben, wenn sich Aufgabenbereiche \u00e4ndern oder neue Betriebsmittel\/Technologien eingef\u00fchrt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zwar ergeht aus den entsprechenden Vorgaben, zu welchen Themen Mitarbeiter unterwiesen werden m\u00fcssen \u2013 jedoch nicht mehr. In der Praxis l\u00e4sst das eine leider gef\u00e4hrliche L\u00fccke: Die Qualit\u00e4t der Unterweisungen und somit deren Wirksamkeit kann extrem schwanken; je nachdem, wer sie wie durchf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Eine schlechte, langweilige Unterweisung erf\u00fcllt sicherlich die gesetzlichen Nachweispflichten. Allerdings ist sie absolut nicht zielf\u00fchrend. \u00c4hnlich wie ein Virenschutz, der installiert, aber dauernd abgeschaltet ist.<\/p>\n<p>Damit die Mitarbeiter stattdessen wirklich etwas lernen, was der Sicherheit maximal zutr\u00e4glich ist, gibt es nur zwei Optionen:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Einmal angenommen, im Lager ist das Tragen von Sicherheitsschuhen vorgeschrieben. Da es vorgeschrieben ist, muss der Arbeitgeber die Schuhe bereitstellen und finanzieren. Jetzt gibt es zwei Optionen:<\/p>\n<ol>\n<li>Es werden g\u00fcnstige Stiefel angeschafft, die nur <a href=\"https:\/\/www.vth-verband.de\/presse\/fussschutz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die geforderte Schutzklasse<\/a> erf\u00fcllen, aber weder hochwertig noch langlebig sind.<\/li>\n<li>Es werden teure Stiefel angeschafft, die neben dem Schutz einen hohen Grad an Ergonomie liefern. \u00dcberdies werden nicht nur unterschiedliche Fu\u00dfl\u00e4ngen bei der Anschaffung ber\u00fccksichtigt, sondern ebenso Fu\u00dfbreiten.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Im ersten Fall k\u00f6nnte es durchaus zu Situationen kommen, in denen Mitarbeiter eigenm\u00e4chtig diese Schuhe nicht tragen, weil sie schlicht unbequem sind. Etwa in der Nachtschicht, in der es bekannterma\u00dfen fast \u00fcberall weniger stringent zugeht \u2013 oder am Steuer eines LKW. Nat\u00fcrlich, bei einem Unfall w\u00fcrde der Mitarbeiter die Schuld tragen. Allerdings liegt es durchaus auf der Hand, wie sehr hier die eigentliche Schuhwahl wirkte.<\/p>\n<h2><b>#3 Sicherheit angenehm machen<\/b><\/h2>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-197743\" src=\"https:\/\/www.saloodo.com\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Bild-3-300x200.jpeg\" alt=\" width=\"498\" height=\"332\" srcset=\"https:\/\/www.saloodo.com\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Bild-3-300x200.jpeg 300w, https:\/\/www.saloodo.com\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Bild-3.jpeg 640w\" sizes=\"(max-width: 498px) 100vw, 498px\" \/><\/p>\n<p>Dieses Beispiel l\u00e4sst sich weit \u00fcber das Thema Schutzbekleidung hinaus anwenden. Stets steht dahinter eine Maxime: Alles, was die Sicherheit f\u00f6rdert, sollte maximal bequem, komfortabel und den Arbeitsabl\u00e4ufen zutr\u00e4glich sein, statt sie zu behindern. Je weniger Sicherheit als H\u00fcrde oder St\u00f6rung empfunden wird, desto bereitwilliger machen alle mit \u2013 Sensibilisierung in Bestform.<\/p>\n<p>Dazu sollte es nicht zuletzt geh\u00f6ren, Wahlm\u00f6glichkeiten zu lassen \u2013 etwa, wenn Bund- oder Latzhosen und bei hei\u00dfen Temperaturen mitunter sogar entsprechende Shorts getragen werden d\u00fcrfen. Hier sollte der Sicherheitsgedanke weit vor der Corporate Identity stehen.<\/p>\n<h2><b>#4 Eine Kultur des Ansprechens etablieren<\/b><\/h2>\n<p>Viele Menschen neigen dazu, bei der Arbeit den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Mitunter kommen noch pers\u00f6nliche Erfahrungen hinzu \u2013 und manchmal Unwille zur Ver\u00e4nderung. Nicht immer handelt es sich hierbei um arbeitssicherheitsrelevante Dinge, allerdings oft genug.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Insbesondere dort, wo Vorgesetzte weit weg sind, kann ein solches Verhalten monate-, sogar jahrelang existieren, bis es bei der unpassenden Verkettung von Umst\u00e4nden in einem Arbeitsunfall m\u00fcndet.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Vorgesetzte k\u00f6nnen nicht \u00fcberall sein. Und wenn sie es sind, k\u00f6nnen sie nicht bei jedem Mitarbeiter auf jedes Detail von korrektem Verhalten achten. Insbesondere deshalb sollte im Logistikbetrieb eine Kultur des Ansprechens etabliert werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Auf jeder einzelnen Ebene in s\u00e4mtlichen Abteilungen.<\/li>\n<li>Beidseitig ohne Ansehen von Standing, Abteilung und Dauer der Betriebszugeh\u00f6rigkeit.<\/li>\n<li>Sowohl auf positives als auch negatives Verhalten bezogen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im Zweifelsfall sollte demnach jeder jeden auf richtiges und falsches Verhalten hinweisen \u2013selbst wenn es ein Azubi im zweiten Ausbildungsjahr ist, der einen erfahrenen Kollegen darauf hinweist, dass es auf dem Stapler besser w\u00e4re, einen Helm zu tragen.<\/p>\n<p>Allerdings darf dies keinesfalls als Versuch gegenseitiger \u201eBespitzelung\u201c wahrgenommen werden. Allen Beteiligten muss klar sein, wie wichtig und richtig derartiges Verhalten ist. Denn wer sich unsicher verh\u00e4lt, kann einen Arbeitsunfall ausl\u00f6sen, unter dem alle zu leiden haben; wom\u00f6glich sogar f\u00fcr immer gezeichnet.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Daher muss korrektes Verhalten niemals als Selbstverst\u00e4ndlichkeit wahrgenommen, sondern ebenso hervorgehoben werden. Schon nach k\u00fcrzester Zeit entwickelt sich in Kollegenkreisen daraus ein selbsterziehender Effekt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h2><b>#5 Vorbildfunktionen aus\u00fcben<\/b><\/h2>\n<p>Der Firmenbesitzer tr\u00e4gt bei seinem morgendlichen Hochregallagerrundgang stets nur seine schimmernde Glatze statt eines Helmes. Die Lagerleiterin vergisst, wenn sie aus ihrem B\u00fcro kommt, viel zu oft, die Clogs gegen Sicherheitsschuhe zu tauschen. Und der Azubi im letzten Lehrjahr zeigt seinen j\u00fcngeren Kollegen nur allzu gern, wie man mehr Pakete mit weniger Touren durch die Halle tragen kann und warum der Hubwagen bei Leerfahrten ein ausgezeichneter Roller ist.<\/p>\n<p>Derartige Dinge sind in unterschiedlichen Auspr\u00e4gungen in sehr vielen Logistikunternehmen allt\u00e4gliche Realit\u00e4t. Vorgesetzte und F\u00fchrungskr\u00e4fte verhalten sich bewusst oder unbewusst nicht arbeitssicher \u2013 und kommunizieren so rasch eine fatale Botschaft.<\/p>\n<p>Das Umgekehrte sollte der Fall sein: Jeder im Haus, der eine Vorbildfunktion hat, sollte diese auch und gerade beim Thema Arbeitssicherheit geradezu ostentativ ausf\u00fcllen. Denn wenn \u201eder Chef\u201c sich schon nicht korrekt verh\u00e4lt, sehen viele Mitarbeiter keinen Grund, es anders zu tun.<\/p>\n<h2><b>Zusammengefasst<\/b><\/h2>\n<p>Die Vorgaben rund um das Thema Arbeitssicherheit und Gesundheit aus leidvoller Erfahrung sind sehr umfassend und praxisnah. Sie k\u00f6nnen jedoch niemals alle Eventualit\u00e4ten ber\u00fccksichtigen und jedes Detail minuti\u00f6s vorschreiben.<\/p>\n<p>Daher liegt es an jedem einzelnen Betrieb, seine Mitarbeiter f\u00fcr diese Themen zu sensibilisieren und zu st\u00e4ndiger Wachsamkeit zu animieren. Ein Gro\u00dfteil der Arbeitssicherheit h\u00e4ngt von jedem Einzelnen ab \u2013 und kann nicht delegiert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ganze 83.098 meldepflichtige Unf\u00e4lle entfielen 2021 nur auf den Themenkomplex F\u00f6rder-, Transport- und Lagereinrichtungen. Weitere 21.425 Unf\u00e4lle waren im Zusammenhang mit PKW und LKW zu beklagen. Zusammen waren das 14,3 Prozent aller Arbeitsunf\u00e4lle \u2013 und es kamen 74 Menschen zu Tode.\u00a0 Nicht alles hiervon geh\u00f6rte explizit zur Logistik. 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