Wasserstoff oder Batterie? Vor- und Nachteile beider Antriebskonzepte aus Sicht der Transportbranche

Im PKW-Bereich scheinen insbesondere E-Autos einen Boom zu erleben. Der GroรŸteil der Nutzfahrzeuge hingegen wird weiterhin mit Diesel betankt โ€“ auch wenn hier in den letzten Jahren bereits ein Umdenken stattgefunden hat und alternative Antriebskonzepte immer mehr in den Fokus rรผcken. Wenn wir รผber nachhaltige Mobilitรคt sprechen, ist meist von der Batterie als Antriebskonzept die Rede. Die Zahlen belegen diesen Trend. In Deutschland waren Ende des Jahres 2022 mehr als eine Million zugelassene Elektroautos auf den StraรŸen. Kein Wunder also, dass weitere Antriebskonzepte oft in den Hintergrund rรผcken โ€“ zu Recht? Und welches Konzept ist fรผr den Einsatz in der Transportbranche sinnvoll? Wir haben uns der Fragestellung gewidmet und zeigen Ihnen die wichtigsten Wesensmerkmale, Kritikpunkte und Nutzen der beiden Antriebskonzepte auf.

Wasserstoffantrieb โ€“ eine Definition und ein Blick in die Zukunft

 width=Auch Wasserstofffahrzeuge oder vielmehr Brennstoffzellen-Fahrzeuge sind Elektrofahrzeuge, denn auch hier ist ein Elektromotor verbaut. Anders als beim โ€žnormalenโ€œ E-Auto, bei dem getankter Strom im Akku gespeichert wird, erzeugt die integrierte Brennstoffzelle des Wasserstoffautos den Strom wรคhrend der Fahrt selbst und speichert diesen im Akku .

Aber von vorne โ€“ was ist eigentlich Wasserstoff und wie kรถnnen wir diesen fรผr uns nutzen?

Wasserstoff ist das am hรคufigsten vorkommende und kleinste chemische Element. Um Wasserstoff zu erzeugen, bedarf es einer groรŸen Menge an Strom โ€“ im Idealfall aus erneuerbaren Energien, denn nur dann produzieren wir grรผnen Wasserstoff. Grรผn, Grau, Pink, Blau, Tรผrkis und WeiรŸ โ€“ die verschiedenen โ€žWasserstoff-Farbenโ€œ geben Aufschluss รผber die Herstellung des Wasserstoffs und รผber die Treibhaus- und Schadstoffemissionen, die dabei entstehen. Daher ist im Zusammenhang mit nachhaltiger Mobilitรคt von dem sogenannten grรผnen Wasserstoff die Rede, der durch das Verfahren der Elektrolyse von Wasser CO2-neutral hergestellt wird. Bei der Elektrolyse, die auch Power-to-Gas genannt wird, wird Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff gespalten. Hierbei kommen ausschlieรŸlich erneuerbare Energiequellen zum Einsatz, um eine Klimaneutralitรคt zu gewรคhrleisten.

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Mithilfe der im Fahrzeug verbauten Brennstoffzelle wird durch die Umkehrung der Elektrolyse aus Wasserstoff elektrischer Strom produziert. Wasserstoff und Luftsauerstoff reagieren zu Wasser, so entstehen Wรคrme und elektrische Energie. Die gewonnene elektrische Energie dient als Antrieb des Elektromotors.

Wasserstoff wird inzwischen als Allround-Talent gehandelt, denn er sorgt nicht nur fรผr einen nachhaltigen Antrieb des Elektromotors. Verschiedene Prozesse in der Stahlproduktion oder der Chemieindustrie beispielsweise lassen sich dank Wasserstoff klimaschonender gestalten. Die Bundesrepublik fรถrdert zudem die Wasserstofftechnologie und Initiativen, die diese voranbringen. AuรŸerdem sollen mithilfe von internationalen Kooperationen Mรถglichkeiten geschaffen werden, um ausreichend Strom aus regenerativen Energien fรผr die Herstellung von Wasserstoff zu produzieren.

Ist Wasserstoff die Zukunft der Transportbranche?

Nicht zuletzt durch die Globalisierung wรคchst der Gรผterverkehr kontinuierlich. Das mag ein Indiz fรผr eine gut funktionierende Wirtschaft eines Landes sein, dennoch ist dies eine Belastung fรผr unsere Umwelt. Was bedeutet, dass besonders in diesem Sektor der CO2-AusstoรŸ deutlich reduziert werden muss.

Wasserstoff ist eine mรถgliche Antriebsvariante und wird vor allem in der Transportbranche heiรŸ gehandelt. Vor allem weil LKW weite Strecken zurรผcklegen mรผssen und somit groรŸe Reichweiten benรถtigen. Wasserstoffbasierte Brennstoffzellen kรถnnen eben diese groรŸen Reichweiten ermรถglichen, ohne Zwischenstopps und bei geringer Betankungszeit.

Die Wasserstofftechnologie wird kontinuierlich optimiert. So war beispielsweise der weiterentwickelte Prototyp des Mercedes-Benz GenH2 Truckย auf Teststrecken unterwegs. Nach einigen Testwochen und hunderten Kilometern wurde der schwer beladene Truck Extremsituationen ausgesetzt und von Entwicklungsingenieuren von Daimler Trucks auf den Prรผfstand gestellt.

Auch wenn die Wasserstofftechnologie besonders in der Transportbranche ein gutes und nachhaltiges Antriebskonzept zu sein scheint, wird noch viel Forschung nรถtig sein. Denn in diesem Bereich geht es vorrangig um Effizienz und das sollte der zukรผnftige Antrieb bieten kรถnnen.

Der batteriebetriebene LKW โ€“ eine Definition und ein Blick in die Zukunft

Anders als bei der Wasserstofftechnologie bedarf es bei dem gรคngigen Elektroauto oftmals keiner groรŸen Erklรคrung. Wer sich heute ein neues Auto kauft, denkt meist zumindest รผber die Anschaffung eines elektrisch betriebenen Fahrzeugs nach.

Aber wie ist das in der Transportbranche?

Werden wir bald zunehmend E-LKW auf den Autobahnen sehen?

Zunรคchst werfen wir einen Blick auf die Technik. Der E-LKW wird nicht mit Sprit betankt, sondern mit Strom, der im verbauten Akku des Fahrzeugs gespeichert wird. Im Elektromotor befinden sich verschiedene Magnettypen und wenn der Elektromotor elektrische Energie in mechanische Energie umwandelt, werden Magnetfelder erzeugt.Durch die Energie des Akkus verรคndern sich permanent die Pole der Magnete und der Rotor wird angetrieben. Der Rotor ist der bewegliche Teil des Elektromotors, der sich daraufhin um die eigene Achse dreht und durch diese Rotation die Rรคder des Fahrzeugs in Bewegung setzt.

Das Kernstรผck des Elektrofahrzeugs ist die Batterie. Die Lithium-Ionen-Batterie erfรผllt die Leistungsstandards derzeit am besten โ€“ und auf Leistung, Sicherheit und Funktionsfรคhigkeit kommt es bei der Batterie des E-Fahrzeugs an. Gleichzeitig mรผssen Fahrzeughersteller auch die Kosten der Batterie im Blick behalten, denn momentan ist der Akku eines der teuersten Bauteile des Elektrofahrzeugs. Die Lithium-Ionen-Batterie wird รผbrigens seit langer Zeit erfolgreich eingesetzt, beispielsweise in Smartphones, Tablets, Laptops oder Kameras.

E-LKW sind auf den StraรŸen noch in der Unterzahl โ€“ doch das kann sich รคndern. Ende des Jahres 2021 ging beispielsweise der vollelektrische eActros in Serie, der laut Daimler Trucks mit einer maximalen Kapazitรคt von 420 kWh bis zu 400 Kilometer weit fรคhrt. Auch andere Automobilhersteller wie Volvo zum Beispiel ziehen nach und bringen LKW mit vollelektrischem Antrieb auf den Markt.

Die Nachfrage ist da, das Angebot wรคchst stetig โ€“ aber welche Grenzen sind noch zu รผberwinden? Zum einen spielt sicherlich die Reichweite eine groรŸe Rolle, die besonders in der Transportbranche benรถtigt wird. Zum anderen sind die hohen Anschaffungskosten fรผr viele Speditionen oft untragbar.

Die Entwicklung lรคuft jedoch auf Hochtouren, die Energiekosten sinken langsam, die Batterie wird immer leistungsfรคhiger und Elektromobilitรคt wird durch den Staat finanziell unterstรผtzt โ€“ ein ganzheitlicher Ansatz und ein Blick in die Zukunft lohnt sich also bei der Kostenkalkulation in jedem Fall.

Wasserstoff vs. Batterie โ€“ der direkte Vergleich

Die EU-Kommission will den CO2-AusstoรŸ von LKW und Bussen drastisch senken. Demnach sollen schwere Nutzfahrzeuge ab dem Jahr 2040 90 Prozent weniger CO2 ausstoรŸen als im Jahr 2019. Auch wenn wie im PKW-Bereich kein Verbot von diesel- und benzinbetriebenen Nutzfahrzeugen erfolgen soll, sieht die Kommission keine Zukunft fรผr den Verbrennungsmotor.

Welcher alternative Antrieb kรถnnte tatsรคchlich den Dieselmotor ablรถsen? Wir haben beide Antriebe unter drei wichtigen Gesichtspunkten unter die Lupe genommen:

  1. Effizienz

Eine reibungslose Lieferkette ohne Unterbrechungen und Verzรถgerungen sind in der Transportbranche elementar โ€“ Effizienz ist daher ein wichtiges Kriterium. Nach einer Studie der inย Berlin ansรคssigen International Council on Clean Transportation oder kurz ICCT ist der batterieelektrische LKW effizienter als ein wasserstoffbetriebene LKW. Grund dafรผr ist unter anderem der fehlende Platz im LKW, denn so kann nur eine begrenzte Menge an Wasserstoff gelagert werden, was die Reichweite deutlich reduziert. Hier ist also noch Luft nach oben fรผr die Mรถglichkeiten des Wasserstoffantriebs. AuรŸerdem ist der Energieverlust bei einem Wasserstoffantrieb hรถher als bei einem Batterieantrieb. Der Verlust entsteht bei der Elektrolyse, der Speicherung und der anschlieรŸenden Umwandlung in Strom.

  1. Zeit

Wenn es um den Faktor Zeit geht, hat das Wasserstofffahrzeug die Nase vorne. Innerhalb weniger Minuten ist das Fahrzeug getankt und einsatzbereit. Das ist allerdings nur die Theorie โ€“ in der Praxis fehlt es an Wasserstoff-Tankstellen. Im Gegensatz dazu gibt es eine gut ausgebaute Infrastruktur fรผr E-LKW. Zwar dauert das Laden lรคnger, aber besonders in der Transportbranche sollte die Betankung in der Nรคhe mรถglich sein.

  1. Kosten

Sowohl das Wasserstofffahrzeug als auch der LKW mit Batterieantrieb kosten deutlich mehr als LKW mit einem Verbrennungsmotor โ€“ beide alternativen Antriebe werden jedoch gefรถrdert. Die Auswahl an Wasserstofffahrzeugen ist jedoch noch klein und die Fahrzeuge werden nur in geringen Stรผckzahlen produziert. Dadurch sind E-Fahrzeuge in der Regel nicht so kostenintensiv wie das Wasserstofffahrzeug. Neben den Anschaffungskosten ist auch die regelmรครŸige Betankung zu berรผcksichtigen. Hierbei schneidet das E-Fahrzeug besser ab, denn Wasserstoff kostet zumindest momentan noch doppelt so viel wie Strom.

Ein Fazit

Die Wasserstofftechnologie stellt eine vielversprechende Mรถglichkeit dar, grรผnen Strom zu speichern und diesen fรผr die Mobilitรคt zu nutzen. Aktuell รผberzeugt allerdings eher der Einsatz eines batterieelektrischen Antriebs, sicherlich auch, weil die Entwicklung hier fortgeschrittener ist. Wir kรถnnen also auf die zukรผnftigen Entwicklungsschritte gespannt sein โ€“ im Bereich des batterieelektrischen Antriebs, aber vor allem in puncto Wasserstoff.

Autorin:

Janine Wolff
Janine ist Betriebswirtin und Designfan, lebt Ihre Leidenschaft fรผrs Bloggen und schreibt fรผr Saloodo! spannende Artikel รผber die Welt der Logistik und Digitalisierung.

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