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    Danielas Kolumne: Das Navi, die Brücke und ich

    Lange habe ich an diese Geschichte nicht mehr gedacht, aber durch einen Zufall bin ich wieder an sie erinnert worden. Damals, als ich grad angefangen hab LKW zu fahren, hatte ich eine unheimliche Begegnung mit der bösen Art!

    Angefangen hat es damit, dass ich als Neuling auf einen MAN Wechselbrückenzug kam, in Nachtschicht auf Linie. Hin zum Begegnungspunkt, Anhänger an die Rampe, Motorwagen mit einer anderen Spedition tauschen. Ok….war ja ganz easy. Najaaaa…bis auf das an die Rampe fahren. DAS machte mir noch ordentlich Probleme. Aber ich hab‘s dann doch irgendwie geschafft.

    Nun kam es, dass ich von der Nachtschicht in die Tagschicht in den Stückgutverkehr kam. „Oh weeeehhh“, dachte ich. Morgens massig Wechselbrücken zu einigen Firmen bringen und danach meine beiden eigenen Brücken aufnehmen und ab auf Tour.

    Ich bin also in meiner ersten Tagschichtwoche mit zwei beladenen Brücken in die große (für mich sehr große, weite und unbekannte) Welt entlassen worden. Ohne Beifahrer oder so. Komplett auf mich allein gestellt. Frei nach dem Motto: „Vogel friss oder stirb!“

    Aber Frau lässt sich nicht unterkriegen und ich bin losgezockelt.

    Am frühen Nachmittag war alles ohne Probleme soweit geschafft, bis ich dann nach Gevelsberg kam. Ich sollte dort bei einer Firma etwas abholen. Ich also die Adresse in mein Navi eingegeben und es konnte losgehen. Nun war es aber so, dass die B7 wegen Baustelle gesperrt war. Das hieß also: über die Nebenstraßen ausweichen bis zu dieser Firma. Die Straßen waren breit genug für mich und mein großes Auto, ich machte mir keine Sorgen.

    Nun kam mein Navi aber auf die Idee, mir zu sagen, dass ich die nächste links hoch abbiegen soll. Ich ganz brav und hab auf das Dingsda an meiner Scheibe gehört. Was das für ein Fehler war, habe ich leider erst zu spät bemerkt.

    Ich bin also links abgebogen und die Straße bergauf gefahren. Nach etwa 500 Metern sah ich zu meinem Schrecken eine Brücke mit dem Schild „3,80m“ davor! Au weia! Panik in den Augen und Angstschweiß auf der Stirn! „Da komm ich doch im Lebtag nicht drunter her!“

    Ich bin also bis kurz vor diese Brücke gefahren, hab den LKW mit Warnblinklicht abgestellt und bin erstmal zur Brücke um zu schauen, ob das passen würde und, wenn es passen würde, wo ich dann dahinter hin weiter müsste. Mein Navi hat mir nämlich erzählt, dass ich nach der Brücke links abbiegen soll und schon nach kurzem Weg wäre ich dann bei dieser Firma.

    Aber zu meinem Schrecken musste ich feststellen, dass es für mich und meinen LKW NIRGENDS weiter ging. DAS hatte mir mein Navi nämlich ganz frech verschwiegen! Links abbiegen ging ja vielleicht für schmale PKW, aber nicht für LKW. Unter der Brücke wäre ich noch drunter durchgekommen, aber danach links? Nix da! Da waren Poller auf die Straße gesetzt worden, wo mein LKW beim besten Willen nicht durchpasste. Wenigstens nicht ohne den LKW und die Poller zu Schrott zu fahren!

    Also blieb mir nur noch der Weg zurück. So stand ich also da, vor mir die für mich zu kleine Brücke bzw. der verpollerte Weg und hinter mir der Weg den Berg wieder runter! Keine schöne Auswahl. Da es aber nirgends eine Möglichkeit gab zu drehen, war ich gezwungen, fast 700 Meter (waren’s glaube ich) den Berg wieder runter zu fahren und zwar RÜCKWÄRTS! Ahhhh… nöööö… wie soll ich das denn schaffen? Ich hatte keinerlei Erfahrung damit: Es war doch gerade die erste Tour allein im Verteilerverkehr. Aber es blieb mir nix anderes… Augen zu und durch!

    Ich also rein in meinen LKW und mit Warnblinklicht und Rückwärtsgang langsam den Berg wieder runter. Oh man, das war die Hölle! Ich habe geschimpft und geflucht, gemotzt wie ein Rohrspatz! Da waren diese nervenden PKW-Fahrer, stellten sich direkt hinter mich, hupten, machten mich armes Ding immer nervöser.

    Irgendwann musste ich dann über den rechten Spiegel rückwärts in eine recht enge Seitengasse, die mit Autos vollstand. Ich glaube, ich bin mindestens tausend Mal ausgestiegen und habe geschaut, dass ich nirgends dranfahre oder etwas schrotte.

    Für diese gefühlten 700 Meter habe ich fast eine halbe Stunde gebraucht, war hinterher patschnass geschwitzt und nur noch heilfroh, dass ich am Ende ohne Schaden heile wieder auf der B7 war! Ich habe meinen Disponenten angerufen und ihm verklickert, dass ich da „niemals, wirklich niemals“ wieder hinfahren werde! Da soll dann doch mal ein 7,5-Tonner hin! ICH nicht!

    Heute weiß ich, dass es teilweise auch mein Fehler war. Ich hätte mich vor dem Abbiegen schlau machen müssen, ob dort mit so einem Gefährt überhaupt hinfahren kann oder nicht. Allerdings war in der Straße, aus der ich herausgefahren bin, um nach links abzubiegen, kein Verkehrsschild oder sonst irgendein Hinweis auf diese für mich zu kleine Brücke. Selbst heute steht dort immer noch kein Schild.

    Also habe ich meinem schlauen Navi voll und ganz vertraut und bin dafür mit einer extra Fahrübung „belohnt“ worden! Ich fahre zwar immer noch mit Navi, aber ich habe immerhin ein reines LKW-Navi. Trotzdem verlasse ich mich nicht nur auf diese „Scheibendomina“. Hin und wieder bevorzuge ich das Navi in Papierform dann doch. Denn sowas brauche ich nicht nochmal!

    Und doch ist es mir leider ein paar Jahre später nochmal passiert. In Köln. Wieder war es eine Brücke, die ein bisschen zu klein war für meinen Sattelzug. Denn 4,00 Meter passen definitiv nicht unter einer 3,60 Meter hohen Bogenbrücke durch… das wusste ich auch ohne Navi. Was blieb mir anderes übrig? Wieder mal rückwärts auf einer sehr stark befahrenen Straße und auf einer großen Kreuzung gedreht und mit einem Riesenumweg dann am Ende doch noch die richtige Firma gefunden!

    Und die Moral von der Geschicht´? Verlass‘ Dich nie auf‘s Navi nicht!

    Daniela Kampschulte
    Daniela Kampschulte ist Berufskraftfahrerin und Kraftverkehrsmeisterin aus Attendorn im Sauerland. Seit 2005 saß sie hinter dem Steuer, bevor sie auf die „andere Seite der Macht“ wechselte. Seit 2018 arbeitet Daniela nun als Disponentin. Für den Saloodo! Blog schreibt sie über alles rund um ihren Job und allem, was damit zu tun hat! Und auch Witziges darf da natürlich nicht fehlen…

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