Kompaktparken, Kolonnenparken oder LKW Parkhäuser – Was hilft gegen fehlende LKW-Parkplätze?

Die Hilferufe kommen mittlerweile im wöchentlichen Rhythmus über alle Medien in Deutschland: Es gibt viel zu wenige Parkplätze für LKW. Einer neuen Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) zufolge fehlen auf und entlang der deutschen Autobahnen mindestens 23.300 reguläre LKW-Parkmöglichkeiten. Seit Jahren sind die Autobahn-Raststätten vollgepfercht. Die LKW-Fahrer suchen oft stundenlang ergebnislos einen vernünftigen Parkplatz. Doch welche Konzepte könnten auf den Autobahnen wirklich für Entlastung sorgen?

Um die vorhandenen Flächen besser zu nutzen, fördert die Europäische Union (EU) aktuell ein Pilotprojekt für telematisch gesteuertes „Kompaktparken“. An der Autobahnraststätte Jura West (A3 bei Velburg, Richtung Passau) wurde dafür der Parkplatz umgebaut. Statt vorher 66 gibt es dort nun auf der gleichen Fläche 105 LKW-Parkplätze. Beim Kompaktparken wählen die LKW-Fahrer einen geeigneten Parkstand selbstständig anhand der verfügbaren Restlänge und der mittels dynamischen Anzeigen angebotenen Abfahrtszeiten. Die Steuerung des Kompaktparkens basiert also nicht auf der zeitlichen Sortierung von Fahrzeugen (z.B. durch aktive Zuweisung von Parkständen oder Kenntnis des Abfahrtszeitwunsches aller LKW wie beim Kolonnenparken), sondern es werden dynamische Anzeigen mit chronologisch aufsteigenden Abfahrtszeiten gesteuert. Die Steuerung des Kompaktparkens bietet Abfahrtszeiten an, die, wenn die LKW-Fahrer sie berücksichtigten, zu dem Ergebnis führen, dass die LKW zeitlich sortiert parken. Das verhindert gegenseitige Blockaden beim Weiterfahren nach der Ruhezeit. In der ersten Reihe stehen dadurch diejenigen, die beispielsweise um 5 Uhr wegfahren, dann kommen Fahrzeuge, die zum Beispiel um 7 Uhr die Rastanlage verlassen möchten.

Kolonnenparken – bewährtes System mit Parkreihen

Das Kolonnenparken gibt es bereits seit 2005 an der Raststätte Montabaur an der A3 (Richtung Norden) sowie seit 2009 am Autohof Lohfeldener Rüssel (Kassel). Hierbei durchfahren die LKW eine Schranke und den Fahrern wird danach ein freier Parkstand zugewiesen. Im Gegensatz zum Kompaktparken können die Fahrer hier also nicht selbst entscheiden, wann sie wieder abfahren möchten. Ist die Reihe für eine bestimmte Uhrzeit voll wird die nächste Reihe dazu genommen die Länge des LKW sowie die Abfahrtszeit wird über den elektronischen Parkwächter erfasst und dann der Standplatz zugewiesen. Die errechnete Reihe wird mit Lichtsignalanlagen angezeigt. Anschließend wird die noch verfügbare Länge der Parkreihe über Laser vermessen und an das System für die nachfolgenden LKW gemeldet. Fahrer, die in eine falsche Reihe gefahren sind, werden als Falschparker erkannt. Das System berechnet dann deren Fehlverhalten beim Verteilen weiterer Parkplätze mit ein. Die LKW stehen wie an einer Perlenschnur aufgereiht hintereinander und können einer nach dem anderen pünktlich losfahren – vorausgesetzt, kein Fahrer verschläft und kein LKW hat eine Panne.

Truck Tower – neues Konzept ohne Praxiseinsatz

Eine andere Idee wurde 2019 auf der Nutzfahrzeugmesse NUFAM in Karlsruhe vorgestellt. Der „Truck Tower“ ist ein Parkhaus für Lastwagen, das auf die bestehenden Parkflächen gebaut werden soll. Dadurch sollen auf einer Fläche für 30 Lkw zukünftig 87 stehen können. Das System ist jedoch bisher nicht im Einsatz. Könnte aber tatsächlich einen Versuch wert sein.

Egal, welche Ideen getestet werden. Wichtig ist, dass Lösungen gefunden werden. Denn auch für die LKW-Fahrer ist die leidige Parkplatz schlimm: In einer Studie des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen gaben vor einigen Jahren 40 Prozent der befragten LKW-Fahrer die Parkplatzsituation als einen hohen Stressfaktor in ihrem Berufsalltag an. Zumal empfindliche Strafen drohen, wenn die LKW-Fahrer ihre Ruhezeiten nicht einhalten – und sei es, weil sie keinen Parkplatz finden.

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Unser Ansprechpartner im Bereich Presse, Daniel Mahnken.

Daniel Mahnken

Daniel Mahnken ist Senior Corporate Communications Manager bei Saloodo!. Als gelernter Journalist liegt ihm das Schreiben quasi im Blut. Nach seinem Sportpublizistik-Studium wollte er eigentlich Germany's Next Sport-Kommentator werden, doch dann entdeckte er die Logistik und kommt seitdem nicht mehr davon los.

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