Prima Klima: Diese Betriebsbedingungen locken Fachkräfte an

Die Logistikbranche wird nicht nur von Sorgen bezüglich des Azubi-Nachwuchses geplagt, sondern generell auch von ausgelernten Fachkräften. In einer solchen Situation ist es für Unternehmen geradezu lebenswichtig, besonders attraktiv sein. Doch wie?

„Was ist der Grund für Probleme in ihren Logistikaktivitäten?“ Auf diese Frage des Fraunhofer-Institutes lauteten unglaubliche 94 Prozent der Antworten, dass der Fahrermangel die Schuld trüge. Auch bei anderen Studien, die sich auf weitere Berufsgruppen in Transport und Logistik beziehen, sieht es nicht anders aus: Die Branche hat ein eklatantes Nachwuchsproblem. Dies wird noch verschlimmert, weil die Auftragslage beständig steigt. Es droht deshalb eine Lage, die nicht nur bildlich gesprochen brandgefährlich ist.

In einer solchen Situation, in der streckenweise auf mehrere suchende Firmen nur ein Bewerber kommt, ist beinahe jedes Mittel recht, um attraktiver als die Konkurrenten zu sein. Zumindest aber sollten auch unkonventionell anmutende Register gezogen werden. Denn letztlich ist jede Fachkraft, bei der es gelingt, sie ins eigene Unternehmen zu locken und vor allem dort zu binden, ein Gewinn, der wertvoller ist als alle finanziellen und anderweitigen Aufwendungen.

1. Ehrliche Stellenannoncen

Angesichts der Bedeutung von Fachkräften erscheint die Mühe, die viele Firmen in die Ausgestaltung von Annoncen stecken, stark untertrieben; besonders, was das Wording anbelangt. Vielfach wird hierbei nur in Standards und Floskeln gesprochen:

  • Angenehmes Arbeitsumfeld…
  • Freundliches Team…
  • Unsere große Stärke sind die Mitarbeiter…
  • Entwickeln uns stetig weiter…

Derartigen Formulierungen fehlt jegliche Einzigartigkeit, sie werden in zahllosen Annoncen verwendet. Außerdem sind sie häufig inhaltsleer und/oder frei interpretierbar, klingen geradezu wie eine Werbebroschüre.

Häufig scheinen Firmen auch zu vergessen, dass es mittlerweile ein Leichtes ist, sich im Internet detailliert zu informieren – infolgedessen lassen sich sämtliche Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Sehr kritisch, wenn überzogene oder sogar unwahre Formulierungen gewählt werden. Diese Tatsache sollte auch für alle anderen Punkte dieses Artikels im Hinterkopf bleiben: Selbst, wenn vieles davon nicht in einer Stellenanzeige Platz findet, so wird es doch den Weg zu den Bewerbern finden.

Dabei ist Ehrlichkeit der Schlüssel, um wirklich wirksame Annoncen zu schreiben. Und dies ist auch keine Aufgabe, die nebenher von einer Büroassistenz erledigt werden sollte, sondern „Chefsache“ oder sogar etwas, für das Externe beauftragt werden sollten. Es ist nicht nötig, enorm kreativ oder humorig zu sein. Wichtiger ist, dass aus der Anzeige wirklich hervorgeht, was einen Bewerber erwartet. Denn niemand mag es, wenn sich schon beim Vorstellungsgespräch zeigt, dass die Annonce voller Übertreibungen steckte.

2. Anständige Gehälter

Zunächst: Viel Geld ist nicht für alle heutigen Generationen ein gleichstarker Motivator. Wohl aber eint zwischen „Baby-Boomern“, „Generation X’ern“, „Millenials“ und „Zoomern“ alle, dass sie für ihre Arbeit vernünftig bezahlt werden möchten. Das heißt, es ist definitiv nicht genug, sich mit dem Mindestgehalt herauszureden.

Die Lebenshaltungskosten steigen, die Pendlerkosten sind durch die neue CO2-Steuer so hoch wie nie. Gleiches gilt für die Kosten für Wohneigentum ebenso wie für Mieten. Anders formuliert: Der gesetzliche Mindestlohn genügt für viele selbst bei zurückhaltendem Lebenswandel längst nicht mehr.

Es ist vielleicht nicht unbedingt nötig, gleich mit einem ungewöhnlich üppigen Anfangsgehalt loszulegen; obwohl dies durchaus die Bewerberzahl verbessern kann. Wohl aber sollte es Garantien geben, dass nach bestandener Probezeit das Gehalt steigt – und zwar mit festem Termin und Höhe, nicht in Form von einer vagen „Aussicht auf Gehaltsanpassungen“.

3. Hilfe bei der Mobilität

Viele Firmen können im innerstädtischen Bereich operieren. Bei den allermeisten Logistikbetrieben erfordern jedoch sowohl Platz- wie Verkehrsanbindungsgründe, dass diese in einem offeneren Umfeld residieren. Dadurch wird Mobilität für viele Mitarbeiter zu einem Schlüsselkriterium – vor dem sich jedoch viele Betriebe völlig verschließen.

Elektro-Auto an der Ladesäule
Ohne Mobilität können Teammitglieder nicht arbeiten. Firmen sollte deshalb viel daran gelegen sein, jede Form von Mitarbeitermobilität zu unterstützen. (stock.adobe.com © Petair)

Mitarbeiter müssen zur Arbeit kommen können, das ist ein Fakt. Diesen sollten Unternehmen jedoch keineswegs auf die Mitarbeiter abwälzen, sondern zur Attraktivitätssteigerung nutzen:

  • Es muss theoretisch und praktisch für jeden Mitarbeiter Parkplätze geben. Diese sollten auch nach gezielten Kriterien gestaltet Dazu gehört eine Lage dicht am Haus ebenso wie umfassende Abmessungen, attraktive Gestaltung und auch Wetterschutz.
  • Es darf keine Mobilitätsform vernachlässigt werden. Für viele Menschen ist das eigene Verbrennerfahrzeug weiterhin die einzige Option, die sie haben oder sich leisten können. Manche können aber auch das nicht. Hier kann beispielsweise bei abgelegenen Unternehmen ein Shuttle-Service zu besser getakteten ÖPNV-Haltestellen die Attraktivität verbessern.
  • Es sollte an den monetären Part der Mobilität gedacht werden. Prepaid-Karten für Tankstellen, aber auch andere Mobilitätsformen, sind eine attraktive Möglichkeit (auch steuerlich) und können auch als Ersatz für höhere Gehälter fungieren.

Auch sollten Logistiker sich nicht dem technischen Wandel verschließen: In einer Stellenanzeige auf die hauseigenen Ladesäulen hinzuweisen, wirkt nicht nur allgemein gut, sondern macht die Firma für eine ständig steigende Zahl von Menschen attraktiver – weil es zu häuslichen Ladesäulen und solchen auf der Arbeit keine bessere Alternative gibt, weil nur dort das Auto stundenlang ungenutzt steht.

4. Aus- statt Überlastung

Kein Mitarbeiter wird gerne unterfordert. Und es ist natürlich verständlich, dass die Anforderungen für die Einzelnen mit dem Grad der personellen Unterversorgung steigen. Keinesfalls sollten Unternehmer jedoch Neuanstellungen als Anlass sehen, die Belastung gleich zu belassen; also so zu tun, als wären eine oder zwei Neuanstellungen der Anlass, die Auftragslage zu erhöhen, weil ja jetzt mehr Hände zur Verfügung stehen.

Vielmehr sollte jede Neueinstellung dazu führen, dass sich die bisherige Überlastung aller Teammitglieder wieder reduziert. Sie muss also wieder zu derjenigen Ausnahme werden, die auch das Gesetz so definiert. Denn wer in ein Unternehmen kommt und dort vom ersten Tag mit enormem Stress, Überstunden und dergleichen konfrontiert wird, der wird bis zum Ende seiner Probezeit genau überlegen, ob er hier die kommenden Jahre verbringen möchte.

Geschäftsfrau blättert durch Papiere
Digitalisierung ist für sich allein kein Bewerbermagnet. Erst sinnvolle Digitalisierung vermag dies. (stock.adobe.com © New Africa)

5. Vorwärtsgewandtheit mit Augenmaß

Dass ein tatsächlich modernes, digitales Arbeitsumfeld Fachkräfte anzieht, ist eine Tatsache. Was sie jedoch im Haus hält ist, dass diese mit Augenmaß durchgeführt wird. Digitalisierung um ihrer selbst willen schreckt nicht nur Fachleute ab, die eher niedrige Digitalkompetenzen besitzen.

Anders formuliert bedeutet dies, dass ein Haus nur dort digitalisieren sollte, wo es die bisherigen Prozesse tatsächlich verbessert. Beispielsweise mit Nachdruck das „papierlose Büro“ zu erzwingen, nur um sich damit (vor Bewerbern) brüsten zu können, bringt ausschließlich Nachteile, wenn die Arbeitsabläufe mit Ausdrucken und anderen analogen Unterlagen einfach besser funktionieren. Auch wirkt eine solche Maßnahme nur in Stellenanzeigen gut, schreckt dann aber an den ersten Arbeitstagen oftmals wieder ab.

6. Ein wirklich angenehmes Arbeitsklima

Das „angenehme, freundliche Arbeitsklima“ dürfte zu den häufigsten (natürlich unabsichtlichen) Unwahrheiten gehören, die sich in Stellenanzeigen finden lassen. Schon die Statistik sagt, dass es nicht in jeder Abteilung und Firma harmonisch zugehen kann. Und sowieso entlarven spätestens die ersten Arbeitstage auch hier immer die Behauptungen.

Was ein gutes Klima ausmacht, wird auf der ganzen Welt gleich definiert. Es beginnt mit Wertschätzung für jede Form von Arbeit, jede Leistung, jede Position. Auch wenn etwas selbstverständlich ist, darf es niemals so wahrgenommen werden. Davon ab ziehen sich zahlreiche Punkte des guten Miteinanders durch diesen Oberbegriff:

  • Ein von Toleranz und Respekt füreinander geprägter Umgang.
  • Klare Zuständigkeiten, Hierarchien, Verantwortungen und Informationsströme.
  • Eine Fehlerkultur, bei der Vergangenes in der Vergangenheit bleibt.
  • Verständnis der Führungskräfte auch für die persönlichen Nöte der Mitarbeiter.

Selbst wenn ein Betrieb keine enorm lockere „Startup-Atmosphäre“ versprüht, ist so immer gewährleistet, dass die Arbeit bei allem Stress der Branche in einem entspannten und menschlichen Umfeld vollzogen werden kann.

7. Ein offenes Klima für Heimarbeit

Das Home-Office. Vor Corona sträubten sich sehr viele Chefs dagegen. Währenddessen lernten es viele Menschen lieben, andere es abzulehnen. Dennoch leben wir heute in einer Zeit, in der sich mit Fug und Recht sagen lässt, dass das Home-Office nichts mehr ist, was Chefs vom Tisch wischen könnten – auch nicht in der Logistik.

Ob eine staatliche Pflicht kommt, ist aktuell unabsehbar. Auch muss es nicht jeder Wochentag sein, muss nicht jeder Mitarbeiter es machen. Fest steht jedoch, dass es auf Bewerber extrem attraktiv wirkt, wenn ihnen schon in der Anzeige die Möglichkeit auf Home-Office offeriert wird.

In der Praxis ist dies auch in unserer Branche für jeden Arbeitsplatz möglich, der eine Büro-Komponente aufweist. Die vergangenen Monate haben sowieso dazu geführt, dass die technischen und regulatorischen Grundlagen vorhanden sind. Ergo ist es ein Leichtes, damit auch neue Teammitglieder anzuwerben – selbst wenn diese persönlich nur die Option haben möchten und nicht wirklich jede Woche einige Tage zuhause arbeiten wollen.

Daniel Mahnken
Daniel Mahnken ist Senior Corporate Communications Manager bei Saloodo!. Als gelernter Journalist liegt ihm das Schreiben quasi im Blut. Nach seinem Sportpublizistik-Studium wollte er eigentlich Germany’s Next Sport-Kommentator werden, doch dann entdeckte er die Logistik und kommt seitdem nicht mehr davon los.

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