Standortstärkung: Mehr als nur simple Werbemaßnahmen in der Region

Der Unternehmensstandort ist auch in der Logistik eine wichtige Kenngröße. Leider jedoch in den Köpfen vieler vor allem in Sachen Verkehrsanbindung. Tatsächlich ist er jedoch eine deutlich größere Stärke, die zu selten in der Branche für die Außendarstellung genutzt wird.

Wer irgendwo im ländlichen Raum eine Handwerksfirma mit kleinem Verkauf betreibt, der weiß zu gut, wie wichtig es ist, sich mit den Menschen der Region gut zu stellen. Denn sie sind seine wichtigsten Kunden.

Bei Transport oder Logistik ist dieser Grundgedanke vielfach weniger stark vertreten. Schließlich gibt es hier praktisch keine Laufkundschaft. Außerdem erfolgt die Auftragsvergabe durch die B2B-Natur oftmals nach nüchternen betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten frei von Emotionen. Der Standort wird hier häufig vor allem deshalb als wichtig angesehen, weil er aufgrund seiner Lage und Verkehrsanbindung ideale Bedingungen für Transport und Logistik bietet.

Männer im Anzug füllen Sand mit einem Spaten zur Grundsteinlegung
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Dennoch sollte man selbst in unserer Branche nie unterschätzen, wie wichtig die regionale Wirkung eines jeden Unternehmens ist und somit auch solcher aus Transport und Logistik. Nicht nur, weil es natürlich hier ebenfalls potenzielle Kunden gibt und Menschen, die für das Recruiting enorm wertvoll sind. Sondern ebenso, weil eine buchstäblich in der Region verwurzelte Firma immer auf ein positives Grund-Standing blicken kann.

In diesem Sinne wird beispielsweise ein Transportunternehmen, das „zuhause“ einen sehr guten Ruf genießt, vielleicht nicht automatisch mehr Kunden anziehen. Wohl aber kann dieser Ruf als wirklicher Multiplikator wirken, der weit über die Grenzen des Regionalen ausstrahlt und darüber mehr Kunden anlockt. Erst recht heute, wo es immer irgendwo eine Digitalkamera gibt und der Weg ins Netz überall dauerhaft offensteht.

Doch wie lässt sich in unserer Branche dieses Standing in der Region des Standorts verbessern? Es gibt einige Möglichkeiten. Und überraschend viele davon sind lediglich Abwandlungen von Geheimrezepten einer allgemein guten Nachbarschaft.

Eine umgebungsfreundliche An- und Abfahrtgestaltung

Nicht jedes Unternehmen hat einen Standort, von dem eine bestens ausgebaute Umgehungsstraße nach nur wenigen hundert Metern direkt an eine Bundesautobahn angrenzt. Sehr oft gibt es jedoch zwei verschiedene Wege:

  • Ein längerer und/oder komplizierterer Weg und
  • ein direkterer und/oder einfacherer Weg.

 

Letzterer führt häufig aufgrund zurückliegender politischer Fehler in der Straßenplanung durch Wohngebiete. Dementsprechend sind in Deutschland viele Menschen, die in der Nähe von Logistikunternehmen leben, es gewohnt, dass ein entsprechendes Verkehrsaufkommen herrscht.

Zur Standortstärkung ist nicht nur eine gute Verkehrsanbindung wichtig
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Nicht überall lässt sich daran etwas ändern. Wo es jedoch möglich ist, den unternehmenseigenen Regionalverkehr vom und zum Standort auf weniger bewohnte Routen umzuleiten, sollten Unternehmen dies tun – und zwar mit Konsequenz. Denn Transportverkehr jeglicher Gewichtsklasse reduziert die Lebensqualität der Anwohner. Aus diesem Grund wurden unlängst kommunale Nachtfahrverbote richterlich legitimiert.

Das Signal bei einer umgekehrten Vorgehensweise: Dieses Unternehmen nimmt extra einen etwas längeren, vielleicht unbequemeren Weg in Kauf, damit die Menschen seiner Region weniger durch Verkehrslärm und andere Auswirkungen belastet werden. Selbst, wenn dies nirgendwo öffentlich erwähnt wird (was jedoch natürlich erfolgen darf), werden es sehr viele merken und zu schätzen wissen.

Zumal dieser „Umweg“ in der Praxis selten wirklich von Belang ist, weil er eine Verzögerung in überschaubarem Rahmen bedeutet.

Umfassendes Sponsoring von Vereinen und Organisationen

Egal ob es der örtliche Junggesellenverein ist, der Schützenverein oder das regionale Fußballteam: Alles, was unter den Oberbegriff Vereine fällt, hat bekanntermaßen seit Jahren mit steigenden Problemen zu kämpfen. Probleme, die sich sowohl auf eine allgemeine Trendwende in Sachen Freizeitgestaltung zurückführen lassen als auch auf den demografischen Wandel – und zuletzt die Pandemie, die der Situation eine nochmals völlig neue Qualität bescherte.

Längst leiden deshalb viele Vereine, vor allem im eher ländlichen Raum, unter einer Mischung aus Mitgliederschwund und leeren Kassen. Häufig ist sogar Letzteres das größere Problem von beiden.

Gegen den Nachwuchsmangel kann wohl kein Unternehmen etwas bewerkstelligen, außer in der eigenen Belegschaft zu werben. Wohl aber lässt sich die Finanzsituation auf diese Weise beheben, durch Sponsoring. Dafür ist unsere Branche sogar besonders geeignet, handelt es sich doch in vielen ländlichen Gebieten um die umsatz- und mitarbeiterstärksten Unternehmen vor Ort.

Letzten Endes ist jedes Sponsoring ein Tausch: Firmenname und ähnliche Formen der Werbung gegen Geld. Allein, was den Sport anbelangt, kann dies eine erstaunliche Erfolgskette nach sich ziehen:

  • Ein Team wird durch das Geld besser ausgestattet,
  • diese Tatsache und der Firmenname sind beim Turnier deutlich sichtbar,
  • es kommen Zuschauer vor Ort hinzu, andere sehen Videos davon im Internet, es beschäftigen sich vielleicht sogar Leute von außerhalb damit, weil die große Vielfalt der Möglichkeiten bei Sportwetten längst auf jedem Leistungslevel angekommen ist und somit selbst untere Ligen überregional interessant geworden sind. Wahrscheinlich wird zudem die Presse vertreten sein.

 

Das alles kann aus einem einzigen Fußball- oder sonstigen Spiel geschehen. Bei jedem Spiel, wohlgemerkt. Beim Sponsoring auf einem so regionalen Level sind die Kosten meist wesentlich niedriger als jeder finanzielle Ertrag. Und sowieso kann man an das eingangs erwähnte Standing in der Region kein Preisschild hängen.

Übrigens: Es muss nicht nur klassisches Sport-Sponsoring sein. Ein guter Logistikunternehmer sucht sogar gezielt nach weiteren Alternativen bis hin zur Unterstützung von Kitas, Jugendclubs und Seniorenveranstaltungen.

Völlig unbürokratische Hilfe

Das Hochwasser an der Ahr im Sommer 2021 war eine Katastrophe sondergleichen. Einig sind sich jedoch viele darüber, um wie viel schlimmer vor allem die Nachwirkungen hätten sein können, wenn nicht Unternehmen jeglicher Branchen und Größenordnungen Hilfe geleistet hätten.

Als Logistikunternehmen sollte man in Notlagen seine Hilfe anbieten
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Ganz gleich, ob es das Freistellen von Mitarbeitern zum Aufräumen war, Geld- und Materialspenden oder gleich der tatkräftige Einsatz (auf eigene Kosten) mit firmeneigenem Gerät. An dem kleinen Flüsschen zeigte sich einmal mehr, was Firmen leisten können.

Für unsere Branche gibt es hierbei mehrere Dinge zu wissen:

  1. Not gibt es überall und in verschiedenen Formen, nicht nur durch Unwetter.
  2. In fast allen solchen Notlagen kommt es auf Lagerflächen, schnelle und sinnvolle Verteilung von Hilfsgütern und Transport an.

Es gibt deshalb sozusagen kaum bessere Unternehmen, die Hilfe leisten können, als solche aus der Transport- und Logistikbranche. Schlicht, weil alles, was bei solchen Situationen nötig ist, zum absoluten Markenkern unserer Branche gehört.

Natürlich sollte hier der Hilfsgedanke vor jeder denkbaren Standortstärkung stehen, das muss klar sein. Die Werbewirkung ergibt sich automatisch. Dazu genügt es bereits, wenn der Firmenname auf den T-Shirts von Helfern und den Transportfahrzeugen lesbar ist. Für den Rest sorgen abermals Anwesende, das Internet und die Medien.

Doch erneut sollten Unternehmer diesbezüglich gerne breiter denken. Es müssen nicht nur Notlagen sein, die den Namen Katastrophe verdienen. Hilfe wird auch im Kleinen immer wieder benötigt. Und wenn es nur die zu sanierende Kommunalhalle ist, wegen der die örtlichen Vereine derzeit kein Dach über dem Kopf haben. Gerade bei solchen Situationen, die keine große Welle der Hilfsbereitschaft aufkommen lassen, können Unternehmen punkten, die unbürokratisch helfen.

Einfach mal machen, wenn der Staat nicht kann oder will

Jedem Unternehmer dürfte bekannt sein, dass Firmenstrukturen vielfach besser, schneller und effektiver agieren können als es solche in staatlicher Hand können. Ein vor Jahren in Norddeutschland tatsächlich zugetragener Fall verdeutlicht, wie Firmen diese Fähigkeit nutzen können, um ihr Standing zu verbessern.

Direkt an das Gelände eines kleineren Transportunternehmens in einer Kleinstadt grenzte der einzige nennenswerte Kinderspielplatz der Kommune an. Er war jedoch durch Vandalismus und Vernachlässigung in einem bedauernswerten Zustand. Die Stadt konnte glaubhaft argumentieren, kein Geld für die Sanierung zu haben. Im Raum stand deshalb, alle Geräte zu entfernen und das Gelände mit Wiese zu bepflanzen.

Das Unternehmen überlegte nicht lange, sondern warf einen Blick in die diesbezüglich wichtigste Norm, erklärte im Rathaus das Vorhaben und schritt zur Tat. Man zäunte das Geländestück neben dem Spielplatz vom restlichen Firmenareal ab und die Mitarbeiter errichteten dort einen neuen Spielplatz – alles auf Unternehmenskosten und nach denselben Vorgaben, die für kommunale Spielplätze gelten. Nach wenigen Wochen wurde das eröffnet, wozu sich die Kommune seit Jahren nicht durchringen konnte.

Wie der Firmenname künftig in der Stadt wahrgenommen wurde, kann der geneigte Leser sich sicherlich vorstellen. Und auch das: Es gibt immer und überall Situationen, in denen Kommunalpolitik nicht handeln kann. Jedes Unternehmen, das dann die Initiative ergreift, sorgt automatisch für eine völlig andere Wahrnehmung. Im genannten Beispiel dürfte wohl selbst die Politik froh gewesen sein, dass sich jemand der Sache angenommen hat.

Zusammengefasst

Für das Daily Business unserer Branche mögen die Menschen in einer Region eine geringere Rolle spielen als in anderen Sparten. Doch selbst, wenn die regionale Lage aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht andere Schwerpunkte setzt, sollte kein Transport- und Logistikunternehmen vernachlässigen, wie wirksam ein positives Image in der unmittelbaren Firmenheimat ist. Gerade heute, wo jede gute – und schlechte – Tat durch das Internet auf den ganzen Globus ausstrahlen kann.

Daniel Mahnken
Daniel Mahnken ist Head of Corporate Communications bei Saloodo!. Als gelernter Journalist liegt ihm das Schreiben quasi im Blut. Nach seinem Sportpublizistik-Studium wollte er eigentlich Germany’s Next Sport-Kommentator werden, doch dann entdeckte er die Logistik und kommt seitdem nicht mehr davon los.

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