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    Wie sich die Logistik nach der Coronakrise verändern wird

    Die Coronavirus-Pandemie bedeutet auch für die Transport- und Logistikbranche in vielerlei Hinsicht unbekanntes Terrain. Weltweit bemühen sich Logistiker, die Folgen gering zu halten. Doch gerade zu Beginn gab es kilometerlange Staus an den Grenzen, Produktionsstopps und eine Vielzahl von Gütern, die zwischengelagert werden mussten. Eines ist dadurch deutlich geworden: Unternehmen müssen umdenken und die Logistik wird nach der Coronakrise nicht mehr so sein wie vorher.

    Nichts scheint das Coronavirus aufhalten zu können. Das ursprünglich aus China stammende Virus hat noch immer Folgen für das Leben und das tägliche Miteinander von Menschen. Und angesichts von Sperrzonen, Unternehmens- und Grenzschließungen hat es auch Auswirkungen auf die Geschäftswelt. Die Transport- und Logistikbranche hat hierbei, trotz widriger Umstände, die Grundversorgung der Bevölkerung aufrechterhalten. Doch die Warenströme änderten sich rasant, so dass sich seit Februar 2020 bereits viele Dinge aufgrund des Coronavirus und seiner Auswirkungen auf die Transportbranche geändert haben: Aus China kommen insgesamt weniger Produkte, weil dort vielerorts die Produktion heruntergefahren wurde. Gleichzeitig wurden Supermärkte so schnell leergekauft, dass sie eigentlich öfter hätten beliefert werden müssen. Für die Logistikfirmen bedeutete das, dass sie ihre gesamte Planung umschmeißen und quasi täglich neu reagieren mussten.

    Coronavirus beschleunigt Digitalisierung der Logistik

    In der Arbeitswelt sorgte die Coronakrise für einige einschneidende Veränderungen: Plötzlich sieht man, wie die Menschen im Home Office sitzen und ihre Arbeit von dort erledigen. Dies betrifft sowohl die Logistikleiter auf der Seite der Frachteigner als auch alle Mitarbeiter im Büro auf Seiten der Spediteure, wie z.B. Kundenservice, Disponenten, Vertrieb und Finanzen. Dies zeigt, dass es möglich ist, die Lieferkette am Laufen zu halten, und dass Online-Tools dabei tatsächlich hilfreich sind. Einige große Logistikunternehmen wie DHL Freight forcieren bereits seit langem die Nutzung ihrer Online-Tools. Vielen anderen großen und kleinen Transportunternehmen wird nun aber erstmals bewusst, wie viel effizienter und flexibler ihr tägliches Geschäft durch den Einsatz von digitalen Lösungen wird.

    Digitalisierung und Innovation sind die Schlüsselwörter für die Logistik der ZukunftAuch die Versender lernen digitale Tools aktuell sehr zu schätzen. Die Krise ist für versendende Unternehmen wie ein Weckruf, die Digitalisierung nun massiv voranzutreiben, denn die Situation zeigt schonungslos, dass nicht-digitalisierte Teile des Lieferkettenprozesses geschäftshemmend sind. Telefonische Anfragen nach Frachtraten, langwierige Preisverhandlungen, die Notwendigkeit, physische Frachtbriefe zu verschieben – all das lähmt das eigene Geschäft, und in Krisenzeiten ist dies besonders schmerzhaft. Digitale Frachtplattformen bieten hier bereits Preisvergleiche zwischen Speditionen und Online-Buchungen per Klick sowie komplett digitalisierte End-to-End-Lösungen für den gesamten Transportprozess.

    Aufgrund der jetzt gesammelten Erfahrungen über die Bedeutung digitaler Technologien für die Wirtschaft wird auch die Transport- und Logistikbranche deutlich digitaler aus der Coronakrise herausgehen.

    Diversifikation der Lieferketten und mehr Transparenz

    Vor allem zu Beginn der Coronakrise litten viele Unternehmen darunter, dass die Lieferketten an logistischen Knotenpunkten stark verlangsamt waren oder gar unterbrochen wurden. Der Mangel an relevanten Teilen oder Komponenten für die Produktion hat vielen Unternehmen schmerzlich vor Augen geführt, dass die übermäßige Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten oder verschiedenen Partnern aus der derselben Region in Krisenzeiten problematisch sein kann. Klar im Vorteil waren Unternehmen, die sich bereits vor dem Ausbruch der Krise um belastbare Lieferketten gekümmert hatten und die zusätzliche alternative Verkehrswege vertraglich vereinbart hatten. Die während der Coronakrise gemachten Erfahrungen werden künftig dazu führen, dass Unternehmen ihre Lieferanten für bestimmte Waren und Dienstleistungen mit derselben Einstellung diversifizieren, wie ein Investor sein Portfolio, wenn er stabilere Erträge sicherstellen möchte.

    Einhergehend mit der Diversifikation der Sourcing-Möglichkeiten ist auch eine Erhöhung der Transparenz entlang der Lieferkette unabdingbar. Je mehr Partner aus verschiedenen Regionen eingesetzt werden, desto schwerer ist es, den Überblick zu behalten. Mit dem richtigen Maß an Transparenz können Unternehmen dagegen effizienter planen, mögliche Lieferengpässe frühzeitig erkennen und schneller auf alternative Lieferwege ausweichen.

    Hierbei sind dann besonders die großen Transport- und Logistikunternehmen wie DHL der Fels in der Brandung. Dank ihres internationalen Netzwerks, ihrer Flexibilität und Erfahrung können diese Global Player dafür sorgen, dass sich die Auswirkungen von Krisen für die Weltwirtschaft in Grenzen halten.

    Bindung an große Logistikunternehmen

    Demnach werden sich Unternehmen in der Nach-Corona-Zeit vor allem große Logistikpartner suchen, um für künftige Krisen besser gerüstet zu sein – und das mit möglichst langfristigen Verträgen. Zudem wird es zu einem Umdenken beim Prinzip der Just-In-Time-Produktion auf Unternehmensseite kommen. Ziel von Just-In-Time ist es, Lieferkosten einzusparen und Bestellprozesse zu optimieren. Zwar hat dieses Prinzip die Supply Chain von Unternehmen in den vergangenen Jahren profitabler gemacht, aber auch wesentlich Anfälliger für Störungen. Ein Problem, wie sich jetzt herausstellt. Nach der Coronakrise könnten Unternehmen vermehrt standortnahe Läger für strategische Produkte nutzen, um mit der so wichtigen Puffer-Funktion eines Lagers, den vollständigen Produktionsstopp abwenden zu können. Auch hier lohnt sich erneut die Bindung an die großen Logistikunternehmen, die bereits jetzt über eine Vielzahl von Lägern an verkehrsstrategisch günstigen Punkten verfügen.

    Neben den geschäftsstrategischen Themen in Transport und Logistik ist eines in den zurückliegenden Wochen im Zeichen des Coronavirus COVID-19 ebenfalls sehr deutlich geworden: Die Branche rückt in der Krisenzeit zusammen, findet neue und flexible Lösungen für die Warenlieferung und setzt diese kooperativ um. Bleibt zu hoffen, dass auch dies nach der Krise so bleibt.

    Daniel Mahnken
    Daniel Mahnken ist Senior Corporate Communications Manager bei Saloodo!. Als gelernter Journalist liegt ihm das Schreiben quasi im Blut. Nach seinem Sportpublizistik-Studium wollte er eigentlich Germany’s Next Sport-Kommentator werden, doch dann entdeckte er die Logistik und kommt seitdem nicht mehr davon los.

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